Aufsatz Haibun Diskussion Börner / Franke
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(…) Die Sprache sollte prägnant sein und Wesentliches zwischen den Zeilen stehen. - zu Beginn soll der Leser gefesselt und angeregt
werden, weiter zu lesen. - am Ende ist Offenheit gefragt, das abschließende Haiku
sollte weiterführen und nicht den Text zusammenfassen (…) In der Frage, dass beide Partner (Prosa und Haiku) ihre
Unabhängigkeit und Integrität bewahren müssen, sind sich Ruth Franke und
David Cobb, der im selben „Sommergras“ das Thema Haibun bespricht, einig:
(…) Jedes Haiku
in einem Haibun sollte nachhaltig bewegend sein, mit eigenem innewohnenden
Gefühl – und nicht als Kehrreim der Prosa-Erzählung fungieren. Anders als Franke, die für mehr
Mut zu mehr Haiku in der Prosa plädiert, empfindet Cobb zu viele eingebundene
Haiku als Unterbrechung des Textflusses
und als eine wiederholte Unterbrechung der Assoziationen. Die beiden Experten bewerten
Prägnanz, Direktheit und Klarheit des Prosateiles als wesentliche Merkmale
eines gelungenen Haibun. Allerdings, um Haiku und Prosa besser unterscheiden zu
können, empfiehlt Cobb den Gebrauch unterschiedlicher Prosastile, dem Tempo und
der Stimmung der Geschichte angepasste Erzähltechnik (lange oder kurze Sätze)
und die direkte Rede. Beide unterstreichen ihre absolute Offenheit bei der Wahl
der Themen und der Gleichwertigkeit von Wahrheit und Fiktion. Ich nehme gern das Angebot an,
über das Haibun zu diskutieren und stelle nochmal eine Haibun-Variante vor,
ohne eine neue Genre-Bezeichnung einführen zu wollen: Es handelt sich um eine
Haibun mit einem sehr kurzen
Prosateil und einem einführenden bzw. abschließenden Haiku oder Tanka. Dieser sehr kurze Prosateil,
der aus einem oder nur wenigen Sätzen besteht, kommt m.E. der ursprünglichen
Idee von Tagebuchaufzeichnungen oder poetischen Skizzen sehr nahe. Kurzprosa
und Haiku geben durch zwei unterschiedliche Schlaglichter einen neuen
kraftvollen poetischen Impuls an den
Leser. Es ist die skizzenhafte Prägnanz mit einem lyrischen Höhepunkt –
entweder im Prosateil oder im Haiku - , die uns zwingt, schneller und
intensiver in den (gemeinsamen) Nachhall der beiden beschriebenen Ereignisse zu
denken. arbeitslos Für einen Moment bleibt sie
stehen vor dem großen Haus, das die Sonne aufhält und den Sommerwind teilt. Der leere Weg GB
Antwort Ruth Franke Im Dezemberheft von Sommergras har Gerd Börner eine interessante Haibun-Variante vorgestellt, deren Besonderheit ein sehr kurzer Prosateil ist, der nur aus wenigen Sätzen, manchmal nur aus einem Satz besteht. Er schreibt dazu unter anderem: Es ist die skizzenhafte Prägnanz mit einem lyrischen Höhepunkt - entweder im Prosateil oder im Haiku - ,die uns zwingt, schneller und intensiver in den (gemeinsamen) Nachhall der beiden beschriebenen Ereignisse zu denken." Sein Beispiel: arbeitslos Für einen Moment bleibt sie stehen vor dem großen Haus, das die Sonne aufhält und den Sommerwind teilt. Der leere Weg Nebel schmiegt sich in ihr Haar Gerd Börner 'Ich finde diese Anregung wichtig, möchte jedoch etwas hinzufügen. Börners Text ist bereits in seinem Buch offene Ferne enthalten (dort Tanbun genannt), jedoch ohne Titel. Der jetzige Titel "arbeitslos" macht den Text erst zu einem Haibun, voher waren Prosa und Haiku auf viele Situationen anwendbar. Ich möchte deshalb dafür plädieren, neben Kurzprosa und Haiku den Titel als dritte Komponente eines Haibun zu bezeichnen. Bei meinem ersten Versuch, eine solche poetische Skizze zu schreiben, habe ich dies berücksichtigt und außerdem festgestellt, dass es bei einem so kurzen Haibun mehr denn je auf jedes Wort ankommt: Adventsbesuch "Was gefiel dir am besten, als du bei mir warst?" fragt sie ihre Schwester im Heim. Langsam kommt die Antwort: "Die Musik." eine Muschel aus dem Meer des Vergessens ihr Widerhall Ruth Franke Wenn man den Prosateil drastisch verkürzt, kann nicht nur das Haiku, sondern auch der Titel zum Verständnis des Ganzen beitragen. "Adventsbesuch" kann andeuten, dass die bei der Schwester haften gebliebene Musik Kindheitserinnerungen weckt. Aber auch dies ist nur eine Anregung, über die sich diskutieren lässt. Ruth Franke |
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