© Gerd Börner                                                                                                                                                                                                                                                                                      home

 

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Lichtharfe

 
     

 

Mitten in der Nacht werde ich wach. Es ist stockdunkel. Ich richte mich auf und strecke eins nach dem anderen die Beine aus dem Bett - erwarte die rauen Dielen unter meinen Füßen. Aber da ist kein Fußboden, als hingen meine Beine in der Luft oder als wäre das Bett plötzlich zu hoch. Ich lasse mich einfach aus dem Bett gleitenund stürze in einen Schacht - zwar nicht sehr tief, doch zu weit, um wieder herausklettern zu können. Über mir ist es sonnenhell, und das obwohl der Schacht mit einem Gullydeckel verschlossenist. Ich rufe laut, sehr laut. Erst passiert nichts. Dann erscheinen zwei Kinderköpfe, vielleicht Jungen, über den eisernen Streben. Durch die parallelen Zwischenräume, durch die sonst das Regenwasser aus dem Rinnstein abfließt, lassen die Jungen je eine Taschenuhr an einer Schnur herab. Die Uhren ticken hörbar. Ich ziehe kräftig an der einen und schaue auf das Ziffernblatt. Die Zeiger der Uhr in meiner Hand rasen wie Windmühlen durch die Stunden. Im selben Moment wird die zweite Uhr nach oben gezogen und verschwindet rasselnd im Tageslicht.

 

Windwiesen

Gras aus der Zeit gerissen

und vergessen zu fragen