- IDEEDITION
- Kettendichtung
- Erläuterungen zur Kettendichtung
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- (stark
gekürzt aus
"Link and Shift" von Tadashi Shôkan Kondô und William J.
Higginson),
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- Geschichtliches
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- Renku bedeutet wörtlich „verkettete
Verse“. Zu Lebzeiten Bashôs (1644-1694) und seinen Schülern wurde
basierend auf alten Traditionen der Kettendichtung, ganz neue Prinzipien
der intuitiven Verlinkung zwischen den Strophen, der Progression zu
immer neuen Schauplätzen des Lebens und der Beachtung einer Übereinstimmung
von Bild und Sprache eingeführt.
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- Arten der Renku-Dichtung
- Es gibt verschiedene Längen und Formen
der Renku-Dichtung:
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- Das Hyakuin mit 100 Strophen,
- das Kasen mit 36 Strophen,
- das Triparshva mit 22 Strophen
- das Nijûin mit 20 Strophen,
- das Hankasen oder „Halbkasen“
mit 18 Strophen,
- das Shishi mit 16 Strophen
- das Jûsanbutsu mit 13 Strophen
und
- das Jûnicho und Shisan
mit je 12 Strophen.
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- Die beliebteste Form der Renku-Dichtung
ist das Kasen mit 36 Strophen.
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- Gesamtstruktur eines Kasen besteht aus
drei Teilen:
- der Einleitung, dem Prolog oder der Ouvertüre
(6 Strophen)
– (jo)
- dem Hauptsatz, der Entwicklung
oder Erweiterung (24 Strophen) –
(ha)
- und dem Schluss, der Folgerung oder dem Epilog
(6 Strophen) –
(kyû).
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- Versnamen und Themen-Position
-
- Bestimmte Verse haben besondere Namen
oder sind für besondere Themen reserviert. Zum Beispiel gibt es drei
Vers-Positionen innerhalb des Kasen, die dem Mond und zwei, die
den Blüten – traditionell den Kirschblüten – gewidmet sind.
Andere Strophen beschreiben den Lauf durch die Jahreszeiten, erzählen
von der Liebe oder beziehen sich auf freie Themen.
- Link and shift – Anschluss und
Verschiedenartigkeit (von Ort,
Personen und Szenerie)
-
- Das Renku wird von den beiden Schlüsselworte
„link and shift“ (Anschluss und Orts- bzw. Szenenwechsel) regiert.
Dabei werden die unterschiedlichsten Arten der Verlinkung bzw. der
Prinzipien der Strophenverbindungen einerseits und Prinzipien der
Progression (das Moving Ahead, dass Vorwärtsschreitens) und das Prinzip
der Diversity, der Veränderung von Themen und Eigenschaften, beachtet.
- „Link“ (tsukeai)
bezieht sich auf die Verbindung oder Beziehung zwischen zwei
aufeinanderfolgenden Strophen;
- „shift“ (tenji) hat mit der Verschiedenartigkeit der Pflanzen- und Tierwelt, dem stetigen Voranschreiten, bei dem die unterschiedlichsten
(globalen) Schauplätzen besucht werden, mit den Jahres- bzw. Tageszeiten, mit wechelndem Wetter und mit den mannigfaltigsten Themen unseres mitmenschlichen Seins zu tun.
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- Linking-Kategorien:
- -
object linking (mono-zuke),
(Objekt-Verkettung)
- -
meaning linking (imi-zuke), (Verkettung durch die Bedeutung der Wörter)
- -
and scent linking (nioi-zuke).
(Duft-Anschluss)
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- 1.
Object linking
-
- beinhaltet eine Gedankenverbindung
zwischen den Objekten/Personen, dem Ort oder der Zeit zweier aufeinander
folgenden Strophen.
- Zum Beispiel: Auf einen
„Regenschirm“ in einer Strophe kann mit „Gummistiefel“ in der nächsten
Strophe geantwortet werden. Eine Tätigkeit in einer Strophe kann weiter
in der folgenden Strophe in einer anderen Zeit oder an einem neuen Ort
fortgesetzt werden usw. Das kann erzählend formuliert sein, aber
Objekte oder Bilder müssen in direkter Beziehung zueinander stehen.
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- 2.
Meaning linking
-
- realisiert eine Verkettung zweier
benachbarter Strophen durch die Bedeutung der Wörter, durch Anspielung
(Allusion) oder durch Zitate, geflügelte Worte, „Teekesselchen“
oder andere Wortspiele.
- Zum Beispiel bedeutet Schimmel in der
einen Strophe ein weißes Pferd und in der nächsten einen pilzartigen
Überzug auf organischen Stoffen.
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- 3.
Scent linking
-
- Bashô
vertiefte das Verkettungs-Konzept unter dem Begriff des „scent linking“,
dem Duft-Anschluss. Er und seine Nachfolger teilten das scent linking in
mehrere Kategorien ein.
- Wir sprechen grundsätzlich von Scent Linking, wenn es bei der Verbindung zwischen den Versen eher
zu einer Übereinstimmung von Stimmungen und Gefühlen kommt, als zu einer rationalen Assoziation von Gedanken oder Ideen, die hinter den Versen stehen.
Die Autoren sind bestrebt, den Duft, d.h. ein auf Eingebung oder Ahnung basierendes Erfassen einer Stimmung oder einer Erfahrungsebene der Vorstrophe
in sich aufzunehmen und daran weiterzudichten.
- Shift – Progression and Diversity
(Das Prinzip des Voranschreitens
-
und der
Mannigfaltigkeit)
- Das Verlinken von einer Strophe zur nächsten
ist das Herz einer jeden Renku Komposition. Um aber Eintönigkeit und
Stillstand zu vermeiden, gilt es, „progression and diversity“
(das Voranschreiten und die Mannigfaltigkeit) zu beherrschen.
- Es gilt, immer vorwärts zu neuen Themen
(siehe unten) zu schreiten und nicht zurückzuschauen.
- 1.
Progression - Moving Ahead
- Die Grundidee
des „Voranschreitens“ ist es, keine gleichen Erfahrungen, Gefühle
oder ähnliche Themen in den wechselnden Versen zu verarbeiten. Es gilt,
ein Wiederauftreten von Merkmalen bzw. Verhaltensweisen oder eine (auch
örtliche) „Rückkehr“ innerhalb von drei
aufeinander folgenden Versen zu vermeiden.
- Betrachtet
werden in diesem Zusammenhang also immer drei aufeinanderfolgende
Strophen:
- Die „jüngste“
oder letzte Strophe wird „linking verse“ (tsukeku)
oder Anschluss-Vers genannt.
- Die mittlere
der drei Strophen heißt „preceding verse“ (maeku),
oder Mittelstrophe und
- die erste oder
die zuerst geschriebene heißt „leap over verse“ (uchikoshi)
Übersprung- oder Rückkehrstrophe.
- Der Dichter
des Anschlussverses muss unbedingt eine Rückkehr (auch uchikoshi genannt)
in die Welt des Leap-Over-Verses vermeiden. Das heißt, der Autor eines
jeden Anschlussverses darf Worte, Themen oder Elemente benutzen, die
sich auf die Themenfelder bzw. Szenerie des vorangegangenem (Mittel-)Verses
beziehen, muss aber vermeiden, sich auf Themen des Leap-Over-Verses oder
der Strophen davor zu beziehen.
- 2. Diversity - Die Verschiedenheit von
Themen und deren Elemente
- Innen – und Außenszenen sollten
nachvollziehbar wechseln und sich in den Linking - und in den Leap-Over
Versen nicht wiederholen. Dieses Prinzip gilt auch für Dinge, deren
Beschaffenheit, Stimmungen, Seelenzustände usw.
- In der Zeit
der klassischen Renga-Dichtung gab es lange Listen von topics and
materials, sogar von besonderen Wörtern, die erst nach einer bestimmte
Anzahl von Strophen wiederholt oder die nur so und so oft innerhalb
einer Renga-Dichtung benutzt werden durften. Aber diese Listen galten im
Wesentlichen nur für die Dichtungen in der Renga-Tradition mit hundert
und mehr Strophen.
- Die meisten
Dichtergruppen erlauben nur das einmalige Erscheinen eines topics oder
materials innerhalb eines Kasen – aber sie achten darauf, dass alle
diese Themen oder wenigstens jedes Themenfeld im Kasen wiederzufinden
ist.
- Schluss
- Balance is the Key (Gleichgewicht
und Harmonie beachten)
- Bei einer Renku-Dichtung ist es
entscheidend, ein Gleichgewicht
von „link“ und „shift“ zu wahren.
- Shift
(das Prinzip des Voranschreitens und der Verschiedenheit) ist das Gerüst
für die Struktur des Renku, während link
(die Arten der Verkettung) das Fleisch und Blut sind, das die Qualität
des Lebens beschreiben soll.
- Wird shift
(das Prinzip des Voranschreitend und der Verschiedenheit) überbetont,
laufen wir Gefahr, das eigentliche Leben und damit den Spaß an der
Renku-Dichtung zu verlieren. Wird shift
(das Prinzip des Voranschreitend und der Verschiedenheit) ignoriert,
wird das Ergebnis monoton sein.