Hinterhofhitze. Moderne Kurzlyrik - Haiku und Haibun, IDEEDITION Berlin, 2005, ISBN 9783000157974
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Klappentext |
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Rezension von Udo Karl Wenzel im Sommergras Dez. 2005 |
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Der Deutschen Haiku-Gesellschaft ist Gerd Börner bereits vertraut als Gestalter und Betreuer ihrer Website und Vorstandsmitglied. Diese Aufgaben haben ihm dankenswerterweise genug Zeit gelassen, sein erstes eigenes Haiku-Buch zu veröffentlichen: „Hinterhofhitze. Moderne Kurzlyrik – Haiku und Haibun“. Vorweggenommen sei: Ich halte diesen Band für richtungsweisend in Bezug auf eine eigenständige Weiterentwicklung der Gattung im deutschen Sprachraum. Das Buch fällt schon rein äußerlich wohltuend aus dem Rahmen der üblichen Haiku-Publikationen. Es hat normale Taschenbuchgröße. Das Titelbild suggeriert keine Naturnähe, sondern ist gestaltet aus kleingedruckten Verszeilen und Wörtern. Ein Verweis auf das Haikuverständnis des Autors, der vermuten lässt, dass er sich bewusst ist, dass Dichtung wesentlich aus Sprache entsteht und nicht etwa aus einer scheinbar direkten Erfahrung von Natur. Der Band enthält Haiku aus den letzten fünf Jahren, einzelne davon sind ins Englische und Französische übersetzt, und mehrere Haibun. Aufgelockert ist er durch erläuternde oder ergänzende Kommentare, die einen Zugang zu den Gedichten erleichtern. Den literarischen Teil umrahmt ein Vorwort von dem in Kalifornien lebenden Dichter, Zeichner und Bildhauer Werner Reichhold und ein Nachwort vom Autor. In beiden Essays ist die Intensität der Auseinandersetzung mit den heutigen Problemen dieser Gattung erkennbar. Dem Silbenschema des so genannten traditionellen japanischen Originals sieht sich Börner ebenso wenig verpflichtet wie der Forderung, ein Haiku müsse eine Naturerfahrung zum Gegenstand haben. Dagegen schließt er in der Präsentation an die japanische Tradition einer Verbindung von Bild und Text an. Neben mehreren Haiga und Foto-Haiku findet man auch einige Schwarz-Weiß-Fotos. Gerd Börner wurde 1944 in Warnitz in der Uckermark geboren und lebte lange Zeit in Ost-Berlin, von wo aus er 1982 in den Westen übersiedelte. Seine Biografie ist in seinen Texten aufgehoben; beispielsweise in dem Haibun „Über die Ucker“, aber auch in einigen Haiku, die die Erfahrung der sozialistischen Herrschaft thematisieren. Börners Ansatz ist dabei nicht explizit politisch, er orientiert sich eher an einem so genannten „ganzheitlichen“ Haiku, das im Gegensatz zum „traditionellen“ japanischen Haiku keine Tabuthemen kennt. Deshalb wohl finden sich hier erotische Texte neben politischen, humorvolle und ironische Senryu, leichte und tragische Alltagserfahrungen stehen neben traditionellen Naturbeschreibungen, in denen Schönheit und Vergänglichkeit zugleich aufscheinen. Vielleicht könnte man Gerd Börners Herangehen als Ausdrucksweise eines modernen ökologischen Bewusstseins beschreiben. Eine scharfe Trennlinie zwischen Mensch und Natur wird nicht gezogen, die Natur selbst nicht romantisiert, sondern auch in ihren bedrohlichen Aspekten vorgeführt. Der Stil der Haiku ist vielfältig. Man findet sowohl die sogenannten „klassischen Haiku“, die einen Jahreszeitenbezug enthalten und sich am traditionellen japanischen Silbenmuster orientieren, in der Mehrzahl aber doch Haiku der freien Form. Hier zwei Beispiele: Nur für Sekunden Da
viele Texte ohne Jahreszeitenbezug zu finden sind, wäre es konsequent gewesen, die vorhandene Aufteilung in Jahreszeiten
wegzulassen. Dennoch: Mit dieser Buchveröffentlichung befindet sich Börner auf der Höhe seiner Zeit. Ohnehin handelt es sich bei den gebetsmühlenartig wiederholten Definitionen (5-7-5, Naturbezug)
um beschränkte Sichtweisen. In Japan selbst hat das Haiku in den letzten
Jahrzehnten Entwicklungen durchlaufen, die im Westen erst noch wahrgenommen werden müssen. Eine Entwicklung zum Haiku der
freien Form und frei von einem obligatorischen Jahreszeitenbezug wurde bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Kawahigashi Hekigotô angestoßen und von namhaften Autoren wie Ippekiro, Seisensui,
Osai und besonders Santôka Taneda weitergeführt. Heute existiert neben der sogenannten traditionellen Haiku-Welt eine lebendige zeitgenössische
Haiku-Szene, die frei von althergebrachten Zwängen
mit dem Genre experimentiert. Zudem entwickelte sich das Haiku in anderen Ländern, vor allem in den USA, beeinflusst von den Autoren des Imagismus, mehr und mehr in eine eigenständige Richtung. An
diese Eigenständigkeit in der Gattungsentwicklung schließt Börner an. Erfreulicherweise ist der Band frei von Japonismen. Dass ihm im Vorwort von dem Haiku-Pionier Werner Reichhold eine Nähe zum
Zen attestiert wird, ist mir nicht einsichtig geworden, zumal Gerd Börner die so oft genannte Verbindung von Haiku und Zen eher skeptisch sieht. Im Treppenhaus ...
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Statement by Werner Reichhold im LYNX Juni 2005 |
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"Hinterhofhitze" by Gerd Börner, is the first publication of this author. Amazingly so, one wants to add, because the selection shows him as one who is really firm in composing haiku. He uses haiku for a wide variety of themes, and knows form can never be more than the extension of its content. Even though in our correspondence he never mentioned it at all, his haiku certainly carry the idea of Zen more clearly than other German poet’s work. Börner is one of so many German writers adept enough in English language, so in the future we will see his work also published with non-German language magazines. This ability to write poetry in a second or third language gives German writers a great advantage over Americans depending on translations only. |